Wer glaubt, schwarze Katzen würden Unglück bringen, wird in Zell (Mosel) eines Besseren belehrt. In der historischen Weinstadt begegnen Besucher zwar den Samtpfoten: mal fauchend oder anschmiegsam, mal die Krallen ausfahrend; doch allem Aberglauben zum Trotz steht die „Schwarze Katz“ in Zell für Genuss vom Feinsten und garantiert Wohlbefinden. „Zeller Schwarze Katz“ heißt die Grosslage, deren Erzeugnisse wegen ihrer Qualität und Bekömmlichkeit weltweit hoch im Kurs stehen und deren Name längst zum Markenzeichen einer der größten Weinbaugemeinden Deutschlands geworden ist. Dass sich in Zell (fast) alles um Weinbau dreht, wird auch optisch deutlich: Rebstöcke, soweit das Auge reicht: Über vier Millionen sollen es sein. Die edlen Tropfen, die einzigartige WeinKulturLandschaft Mosel sowie der ländliche Charme, verbunden mit pulsierendem Leben einer Stadt: Es gibt viele gute Gründe, warum Jahr für Jahr unzählige Besucher aus aller Herren Länder die Weinstadt besuchen.

Diese Magnetwirkung hat Tradition, denn bereits die Römer wussten die Vorzüge und Besonderheiten der Gegend zu schätzen: Die „Mosella“ als Wasserstraße, die Handwerk und Handel beförderte, die strategisch gute Lage zwischen Trier und Koblenz, das milde Klima. So gründeten die Römer an der Moselschleife einen Rast- und Halteplatz mit Siedlung namens „cella“.

Der Ortsname Zell steht also für Keller, ein Indiz dafür, dass „cella“ schon früh Lagerkeller für den, bereits von den Römern geschätzten, Wein hatte. Dass die Siedler in jeder Beziehung an ihr Wohlbefinden dachten, trat 1978 bei Grabungsarbeiten zu Tage. Gefunden wurden Reste einer Badeanlage samt Hypokausten-Heizung. Auch heute noch gilt Zell als der geographische und infrastrukturelle Mittelpunkt der Ferienregion Zeller Land und ist selbstverständlich Teil der „Straße der Römer“.

Das Wahrzeichen benötigt keine Hinweisschilder, denn der „Runde Turm“ – ehemaliger Pulverturm mit Barockhaube aus der Stadtbefestigung überragt die Stadt und ist schon von Weitem sichtbar. Ein Rundgang durch verwinkelte Gassen zeigt altes Fachwerk oder das spätgotische, zweitärmige „Kurfürstliches Schloss“ (1307-1543). Es gilt als einer der schönsten Barock-Profanbauten an der Mosel. Mehr als einen Besuch wert sind auch die ehemalige Synagoge, die Pfarrkirche St. Peter (1786-1793) mit ihrem dreigeschossigen Turm, dem spätgotischen Taufstein und der hölzernen Madonnenfigur, das Wein- und Heimatmuseum, der „Zeller Schwarze Katz“-Brunnen, die Pfarrkirche St. Michael im Stadtteil Merl, eine Klosterkirche des ehemaligen Minoritenklosters (1290) mit Antwerpener Schnitzaltar (1525) und ältestem Dachstuhl Deutschlands (1290), der Boos-von-Waldeckhof im Stadtteil Kaimt (Fachwerk vom Feinsten), der Collis-Aussichtsturm oder der Prinzenkopf-Aussichtsturm. Wer nach einem gemütlichen Stadtspaziergang nach mehr körperlicher Ertüchtigung sucht, wird rund um Zell fündig. Ideal für ein sportliches Naturvergnügen ist das abwechslungsreiche Wander- und Radwanderwegenetz. Die Kultur ist auf der interessanten Route (etwa 8 km) der „Kanonenbahn“ – dem Eisenbahnhistorischen Kulturweg von Bullay nach Reil, als Teil der „MoselErlebnisRoute“, auf eigene Faust oder mit erfahrenen Wanderführern hautnah zu erleben. Ambitionierte Wanderer können auch auf der gegenüberliegenden Moselseite über Pünderich, Briedel, den ehemaligen Bahnhöfen in Zell und Zell-Merl bis zum Ausgangspunkt Bullay, dem Kulturweg (Rundwanderweg etwa 23 km) weiter folgen und die Zeugnisse der ehemaligen Moselbahn erleben. Und was könnte an der Mosel näherliegen, als sich aufs Wasser zu begeben? Per Kanu, Ruder,- Motorboot oder Ausflugsschiff erlebt man die facettenreiche Flusslandschaft aus einer völlig neuen Perspektive. Sehen, Staunen, Erleben – All das ist in Zell möglich. Die Moselaner sind nun einmal stolz auf ihre Schätze, ihre Landschaft und natürlich ihren Wein. Die Besucher merken schnell: Hier leben Menschen, die Gastfreundschaft großschreiben und Geselligkeit lieben. Ob auf stimmungsvollen Weinfesten, in urigen Weinkellern oder in Straußwirtschaften, die Moselaner sind gerne Gastgeber. Winzerkeller, Weinstuben, Restaurants, Cafés, Beherbergungsbetriebe unterschiedlicher Komfortkategorien: Besucher haben die Wahl.

Für viele Gäste haben das „Zeller Schwarze Katz“-Weinfest Ende Juni, das „Keltische Weingelage“ Ende August oder das Federweißer-Fest Anfang Oktober feste Plätze im Terminkalender. Und wenn die Zeller „feste“ Feste feiern, geht es nicht nur weinfröhlich zu. Gerne „servieren“ sie ihren Gästen dann die guten, alten Geschichten.

Nicht zuletzt wollen alle das Geheimnis der „Zeller Schwarze Katz“ gelüftet wissen. Also: Wir schreiben das Jahr 1863. Weinhändler aus Aachen sind auf der Suche nach dem besten Zeller Wein. Im Weingut Mayntzer wird eifrig probiert und geschlürft. Der köstliche Inhalt gleich dreier Fässer war in der engeren Wahl, doch eine Entscheidung in weiter Ferne. Plötzlich sprang eine Katze auf eines der Fässer, verteidigte es fauchend und machte einen bedrohlichen Buckel. Niemand durfte sich dem Fass nähern. Die Weinhändler fackelten nicht lange: Kaufen! Es muss tatsächlich die beste Wahl gewesen sein, denn sie erstanden später alle Weine aus der Lage. So war die „Zeller Schwarze Katz“ – wie sie ihn nannten – schon bald in aller Munde. Bis heute verkaufen die Zeller Winzer ihre Weine weltweit und sehr erfolgreich unter dieser Bezeichnung und beweisen: In Zell (Mosel) bringen schwarze Katzen Glück.